Gespräch mit Sport Mental Coach Patrick Thiele



Moin Patrick, du bist Mentaltrainer für Profi Sportler in Deutschland. Erzähl uns mal wie bist du zu dieser Entscheidung gekommen? Was hat dich zu dieser Berufung bewegt? 😉


Der Weg dahin war recht lang. Sport war zwar schon seit meinem 5. Lebensjahr ein fester Bestandteil, aber nach dem Abitur habe ich erstmal einen ganz anderen Weg gewählt. Gegen Ende meines Studiums habe ich dann angefangen, viele Bücher über Persönlichkeitsentwicklung zu lesen. Das hat dann erstmal dazu geführt, dass ich mein Studium geschmissen habe und mir ein Jahr Auszeit in Australien genommen habe. 2017 bin ich dann nach Berlin gekommen, wo ich für 2,5 Jahre im Marketing eines StartUps gearbeitet habe. Parallel dazu hatte ich auch schon meinen eigenen Podcast gestartet, weshalb ich dann unternehmensintern der “Mindset-Experte” war. Das ist wohl auch den Sportlern nicht entgangen, für deren Kooperationen ich der erste Ansprechpartner war. Irgendwann kamen dann die ersten Fragen von Sportlern zu Themen wie mentaler Stärke. Erst da habe ich für mich gemerkt, dass ich hier vielen Sportlern weiterhelfen kann. Neben dem Job habe ich dann ein Fernstudium als Sportmentaltrainer absolviert und begonnen mit den ersten Profisportlern zusammenzuarbeiten. Für mich war und ist es nach wie vor die perfekte Kombination meiner größten Leidenschaften: Sport und Persönlichkeitsentwicklung. Rückblickend habe ich also recht lange gebraucht, um meine Berufung zu erkennen, doch wahrscheinlich musste ich erstmal all diese Umwege nehmen, um mich selbst weit genug zu entwickeln und herauszufinden, was ich wirklich will.


Du warst selber Fußballer auf höherem Niveau, war damals für dich Mentaltraining auch schon sehr wichtig? Welche Routinen hattest du dort vor einem Spiel?


In meiner Kindheit und Jugend hat Mentaltraining nicht wirklich eine Rolle gespielt. Den ganz großen Sprung in den Profifußball habe ich sogar genau deshalb verpasst, weil ich dem Druck im entscheidenden Probetraining mental nicht gewachsen war. Erst später habe ich dann angefangen, mich wirklich mental auf die Spiele vorzubereiten. Meist habe ich dann schon am Abend vorher meinen optimalen Spielverlauf visualisiert und habe ich mich selbst nochmal an meine Stärken erinnert. Am Spieltag selbst habe ich es immer vermieden vor den Spielen mein Handy zu benutzen, um einfach voll und ganz bei mir zu bleiben und mich nicht abzulenken. Oft habe ich dann auch 2-3h vor dem Spiel nochmal meditiert und/oder die Visualisierung vom Vorabend wiederholt. Jetzt spiele ich zwar nur noch 2-3 mal pro Jahr in meinem Heimatverein, aber die mentale Vorbereitung ist recht gleich geblieben. Da ich ja nie voll im Training bin und nicht wie die anderen jede Woche mit Ball am Fuß trainiere, ist das Mentaltraining für mich ein großer Vorteil. Und es scheint zu funktionieren, in all den Jahren, seit ich nur noch unregelmäßig spiele, gab es noch kein Spiel in dem ich nicht mindestens ein Tor geschossen habe oder einen Assist gesammelt habe.

Welche Tipps würdest du Jungen motivierten Sportler mitgeben, die ein klares Ziel haben, nämlich Profisportler zu werden?


Zunächst einmal würde ich jedem die Frage stellen: “Warum willst du Profisportler werden?”. Um wirklich dahin zu gelangen, braucht es viel harte Arbeit und man muss auf einiges verzichten. Wenn ich dann nur Profi werden will, um meine Eltern glücklich zu machen oder viel Geld zu verdienen, dann werde ich früher oder später aufgeben. Die besten Sportler der Welt sind soweit gekommen, weil sie einfach immer besser werden wollen und wissen wollen, was möglich ist. Titel und Erfolge sind dann eher ein Nebenprodukt dieser Entwicklung. Zusätzlich dazu würde ich jedem jungen Sportler raten, sich schon so früh wie möglich mit den eigenen, mentalen Fähigkeiten zu beschäftigen und Techniken wie Mentaltraining regelmäßig in den Trainingsplan zu integrieren. Je früher ich lerne, meinen Kopf zu kontrollieren, desto einfacher wird es später und desto leichter kann ich auch mein Talent nutzen. Es gibt viele, sehr talentierte Sportler, doch all das Talent hilft eben nichts, wenn es im Wettkampf nicht auch gezielt genutzt werden kann. Dafür braucht jeder Sportler ein gewisses Maß an mentaler Stärke und das kann jeder lernen.


Lass uns ein bisschen teilhaben aus einem Tag als Mentaltrainer Patrick Thiele, wie läuft bei dir ein ganz normaler Tag ab? 😊


Mein Start in den Tag sieht tatsächlich ganz oft sehr ähnlich aus. In meinen Kalender gibt es nahezu nie irgendwelche Termine oder Meetings bis 14 Uhr. Diese Zeit nutze ich ganz bewusst für meine Morgenroutine und kreative Aufgaben, wie Artikel schreiben, Videos und Podcasts aufnehmen oder die Weiterentwicklung meines Trainings. Der Nachmittag / frühe Abend ist dann immer offen für meine Sportler. Das heißt, hier findet dann das aktive Mentaltraining und alle Coachings statt. Je nachdem wie voll der Kalender ist, habe ich meistens zwischen 16 und 18 Uhr nochmal etwas Zeit für mein eigenes Training eingeplant. Da gehe ich dann laufen oder trainiere zuhause. Nach dem letzten Termin am Abend nehme ich mir fast immer nochmal 30 Minuten Zeit, um etwas Neues zu lernen. Ich schaue mir vielleicht ein YouTube-Video an, lese oder höre einen Podcast. Der Rest des Abends gehört dann meist meiner Freundin. Im Optimalfall laufen meine Tage immer so ähnlich ab, auch am Wochenende. Allerdings gibt es auch immer wieder Phasen, in denen ich sehr viel arbeite und dann bis nachts vor meinem Laptop sitze, um neue Projekte zu planen oder Produkte zu erstellen. Ich versuche diese Phasen aber immer auf ein paar Tage oder maximal Wochen zu limitieren.

Was bedeutet für dich Mentale Stärke im Alltag, beschäftigst du dich persönlich auch neben dem Sport mit positivem Mindset? Welche Tagesroutinen hast du?


Mentale Stärke bedeutet für mich einfach, dass ich in jeder Situation in der Lage bin, für mich das Bestmögliche herauszuholen. Gerade im Alltag kann das natürlich ganz viele Formen annehmen. Vielleicht muss ich unter Druck unbedingt noch ein Projekt abschließen, kurzfristig meinen Plan ändern, Konflikte lösen oder einfach nur sicherstellen, dass ich tagtäglich an meinen Zielen arbeite. Teil meiner Routine ist es, jeden Tag mindestens 60 Minuten zu lernen, indem ich lese, Videos schaue oder Podcasts höre. Außerdem meditiere ich jeden Tag und führe ein Dankbarkeitstagebuch. Das sind so ziemlich die wichtigsten Routinen, die mir helfen, positiv zu bleiben oder schwierige Zeiten zu überstehen. 2020 habe ich auch wieder intensiver darauf geachtet, mein Journal zu führen und einfach immer mal wieder alles aufzuschreiben, was mich gerade beschäftigt. Das ist für mich, abseits von Sport, eine der besten Routinen, um den Kopf frei zu bekommen.


Wie geht ein positiver Mensch wie du es bist mit der derzeitigen Situation auf der Welt um? Was kannst du Menschen, die in Ängsten leben mit auf den Weg geben?


Ganz banal...den Fernseher und die Nachrichten ausschalten. Nicht weil da nur falsche Informationen verbreitet werden, sondern weil vieles, was da gezeigt wird, immer nur auf Angst und Negativität basiert. Auch wenn es etwas philosophisch klingt, aber auch in den dunkelsten Zeiten passiert überall auf der Welt Gutes. Warum wird denn nie darüber berichtet? Zu Beginn dieses Jahres habe ich mich noch recht viel mit den ganzen Themen beschäftigt, bis ich gemerkt habe, dass ich mich dadurch immer schlechter fühle. Seitdem distanziere ich mich einfach so gut wie möglich von all den Themen und beschäftige mich wieder voll und ganz mit mir selbst und meinem Wachstum. Angst hat noch nie etwas positiv verändert und wenn wir mal genauer hinschauen, dann sind viele unserer Ängste oft nicht gerechtfertigt. Ja, es ist ein schwieriges Jahr für alle, doch wenn wir immer nur die Opferrolle einnehmen und tagtäglich unsere Ängste füttern, dann wird sich nichts bessern. Egal was passiert, ich versuche mir immer die Frage zu stellen: “Was ist das Beste, was ich jetzt aus dieser Situation machen kann?”

Zum Schluss noch, was glaubst du müssen wir Menschen auf dieser Welt ändern und was kannst du als Patrick Thiele dazu beitragen?


Darüber könnte ich jetzt wahrscheinlich ein ganzes Buch schreiben. Ich denke, wir müssen uns Stück für Stück von allem verabschieden, was auf Angst, Hass oder ähnlichen negativen Emotionen basiert. Die größten Herausforderungen der Menschheit lassen sich nicht dadurch lösen, dass jedes Land seinen eigenen, egoistischen Weg geht. All das können wir nur gemeinsam lösen. Auf der anderen Seite darf sich, meiner Meinung nach, jeder Mensch über seinen Beitrag zum großen Ganzen bewusst werden. Oft denken wir, dass wir als einzelne Person nichts verändern bzw. verbessern können, doch viele großen Veränderungen haben mit einer einzigen Person begonnen. Wenn jeder Mensch “einfach vor seiner eigenen Tür kehren würde”, dann wäre auch die ganze Welt sauber. Und das lässt sich auf ganz viele Themen übertragen. Doch um das alles wirklich umzusetzen, braucht es in vielen Köpfen einen Bewusstseinswandel. Wir denken viel zu oft in Problemen anstatt in wirklichen Lösungen oder bauen Mauern anstatt Brücken. Da versuche ich einfach meinen Teil beizutragen. Einerseits durch mein alltägliches Verhalten wie den Verzicht auf tierische Produkte oder die Minimierung von Plastikmüll, andererseits durch meine Arbeit. Meine Vision ist es, mit der PRO MIND ACADEMY die größte Mentaltrainingsplattform in Europa aufzubauen. Wenn ich das geschafft habe, dann erreiche ich Millionen von Menschen und unterstütze sie in ihrer Weiterentwicklung. Bis dahin ist es zwar noch ein weiter Weg, aber das ist das, was mich antreibt. Darüber hinaus versuche ich auch regelmäßig etwas zurückzugeben. Ich hatte das Glück, in Deutschland geboren zu werden und von Beginn an Teil einer glücklichen und stabilen Familie zu sein. Dieses Privilegs bin ich mir bewusst und deshalb unterstütze ich seit Jahren die Hilfsorganisation “22stars” einer guten Bekannten in Uganda, mit der mittlerweile über 400 Kindern der Zugang zu Bildung, täglichem Essen und guten hygienischen Bedingungen ermöglicht wird. Außerdem sind all meine Trainingsprogramme für unter 18-jährige Sportler kostenfrei und ein Teil all meiner Einnahmen fließt in Aufforstungsprojekte von “Sports4Trees”. Das sind alles Punkte, mit denen ich vielleicht noch nicht den riesigen Unterschied in der Welt mache, aber ich schaffe es so, schon jetzt einen großen Unterschied für einzelne Menschen zu schaffen und meinen Beitrag Jahr für Jahr zu vergrößern.


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Daniel Fritz

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